Geständnis und Geschlecht

Meine erste Vorlesung zu Queerer Autorschaft & Life Writing – historisch, vergleichend, interdisziplinär! Mit Textbesprechungen zu Herculine Barbin, Virginia Woolf, Victoria Ocampo, Gabriela Mistral, Teresa de la Parra, Reinaldo Arenas, Hervé Guibert, Simone Weil & Simone de Beauvoir, Marta Hillers, Maria Erlenberger und Unica Zürn, Audre Lorde, Susan Sontag, Assia Djebar und Fatima Daas, Virginie Despentes und Paul B. Preciado.

Soziologie und Literatur: Literarische Gesellschaftsmodelle im Realismus und Naturalismus (MA Seminar)

Hat die Literatur des 19. Jahrhunderts die Soziologie erfunden? Oder hat sich die Soziologie der Literatur bedient, um die soziale Mimesis des Menschen zu verstehen? Das Seminar untersucht anhand der französischen, spanischen, englischen und deutschen Literatur die Zusammenhänge zwischen der wissenschaftlichen und der literarischen Erfindung des Menschen im Kreuzungspunkt von ökonomischen und biologischen Theorien.

Schön Sterben: Opferrituale in Literatur, Kunst und Kultur (BA Seminar)

Sterben ist nicht schön und doch wird das Sterben ästhetisch inszeniert jenseits moralischer Richtlinien und ethischer Gepflogenheiten. Ob Film, Photographie, Malerei oder Literatur – Sterbende werden zu Opfern, zum "sacrificium" oder zum "victim", drastisch dargestellt in Worten, Farben und Bildern! Von der untoten Antigone bis zu #metoo und #blacklivesmatter reicht die blutige Spur dieser Erzählungen, denen das Seminar nachgehen will.

Ich träume, also bin ich: Der Traum als Experimentalsystem von der Renaissance bis zu Freud (BA Seminar)

In den verschiedensten Kulturen und Völkern über viele
Jahrtausende hinweg gilt das Träumen als Medium, um mit
dem Göttlichen und Spirituellen in Verbindung zu treten.
Träume sind mehr als Schäume: Wir sind, was wir sind, weil
wir träumen. Das ist eine steile These und dieser These wollen
wir in dem Seminar nachgehen und sie gemeinsam
interdisziplinär erforschen.

Microrrelatos, Flash Fiction, Kurzgeschichte: Die Kunst des Erzählens vom Kleinen ins Kleinste (BA Seminar)

Komplexität muss nicht unbedingt in langen Texten ausgedrückt werden. Oft reicht nur ein Satz, um eine gesamte Erzählwelt und seine Figuren entstehen zu lassen. Antike Philosophen und Ärzte haben sich in sehr kurzen Sentenzen und Aphorismen ausgedrückt, künstlerische Werke stellten ein Thema in nur in einem Bild und einem kurzen Satz dar (Embleme). Und im Zeitalter der Sozialen Medien, wie Twitter oder Instagram, werden Kurzgeschichten des Alltags neu erfunden.

Los Americanos/The Americans: Die Erfindung des Amerikanisch-Seins in nord- und südamerikanischen Texten der Literatur, Politik und Philosophie (BA Seminar)

Von Obamas „Yes we can” zur Trumps „Make America great again” werden Gefühle der Zusammengehörigkeit von der Mikroebene des einzelnen Bürgers auf die Makroebene einer ganzen Nation projiziert und vice versa. Aber was bedeutet eigentlich der Begriff „Nation”? Und wie werden Nationalgefühle rhetorisch konstruiert und politisch mobilisiert?

 

Das Seminar möchte einen Fragenkatalog erarbeiten, der sich mit Themen des „Nation Building” beschäftigt. Die Erfindung des Amerikanisch-Seins soll sich dabei auf die USA und Lateinamerika konzentrieren, wobei ausgewählte Texte des 19. Jahrhunderts aus Politik, Philosophie und Literatur gemeinsam gelesen und besprochen werden. Der Korpus reicht dabei u.a. von George Washington, Thomas Jefferson und Walt Whitman bis zu Simón Bolívar, Domingo Faustino Sarmiento und José Martí.

Die Geburt der Frau aus der Rippe des Mannes? Versuch einer feministischen Gegen-Geschichte der Romania (BA Seminar)

Gott erschuf den Menschen. Der Mensch war Mann. Aus dem Mann entstand die Frau. Von der Genesis im christlich-jüdischen Glauben bis zum patriarchalischen System des Kapitalismus, das die Frau als Basis der Ökonomie an Herd und Kind bindet oder als billige Arbeitskraft in den Markt einführt, ist die Geschichte der Frau aus der Perspektive des Feminismus als eine Geschichte der Unterdrückung geschrieben worden.

 

Das Seminar möchte nicht die Wiederholung einer bloßen Reaktion auf die aktiven Kräfte der männlich dominierten Geschichte untersuchen. Anstatt die Entwicklung einer Position/Opposition nachzuzeichnen, möchte das Seminar aus unterschiedlichen Perspektiven und Disziplinen – historisch, literaturwissenschaftlich, kultur- und medienwissenschaftlich, politisch und religionsgeschichtlich – das Verhältnis von Frau und Macht analysieren.

Die Allmächtigen. Mann und Macht von Machiavelli über den lateinamerikanischen Diktatoren-Roman zu House of Cards (BA Seminar)


"Welcome to the Death of the Age of Reason!" – Mit diesen Worten verkündet die fiktive Figur Frank Underwood, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, gespielt von Kevin Spacey, das Ende menschlicher Vernunft. In der Netflix-Serie "House of Cards" verkörptert er das Sinnbild des "alten weißen Mannes" in Perfektion. Im wahren Leben ist er ein Geächteter, der sich vor der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. In Zeiten von #metoo gehen wir mit den Begriffen "Mann" und "Macht" keine Kompromisse mehr ein. Sie werden medienkritisch in Frage gestellt und stets neu verhandelt.

Doch diese Begriffe haben eine sehr lange Geschichte hinter sich und haben sich auch in den neuen gesellschaftlichen Debatten nicht wesentlich verändert. Die Frage, wie "Gender" und "Macht" zusammenhängen und welche unterschiedlichen Konstellationen sie eingehen können, wird in unserem Seminar von Platon bis Judith Butler historisch, diskursanalytisch, literatur- und medienwissenschaftlich untersucht. 

Das Bekenntnis. Eine literarische Reise ins Ich (BA Seminar)


Unsere Bekenntnisse sind öffentlich geworden. Facebook, Twitter und Instagram sind Pinnwände unserer Seele. Tagebücher werden nicht mehr in der privaten, häuslichen Welt geschrieben (und gelesen), sondern in der Welt der Sozialen Medien ausgestellt. Jedes Selfie ist ein Bekenntnis zum eigenen Selbst, eine
mit #filter bearbeitete Version des Ichs, ein Ich das man liebt und
pflegt, wie ein Haustier. Das eigene Leben wird mit Bildern und Texten zu einer Collage der Erlebnisse arrangiert. Es wird zu einer
Sammlung von Daten, ein Ego-Universum von Informationsbits. 

Die Alltags-Szenerie wird ästhetisiert, sie verwandelt sich in eine kleine Theaterbühne, auf dem die verschiedenen Versionen des Selbst präsentiert werden. Unsere Person wird zur „Persona“, der Maske, die der Theaterschauspieler auf den antiken Bühnen trug, um einen Charakter darzustellen. Auch wir mimen uns selbst. Als Schauspieler suchen wir den Bezugspunkt zu den „Anderen“, die da draußen in der global vernetzten Welt der Medien leben, arbeiten und ihre Lebensinhalte in privaten oder öffentlichen Zirkeln teilen. Das Seminar erforscht die religiösen Ursprünge des modernen Life Writing diesseits und jenseits des Digitalen.

Punkt, Linie, Figur: Skizzierte Schrift-Bilder von Leonardo da Vinci bis Paul Valéry (MA Seminar)


„Diese Hand ist allerhand. / Meine Hand ist sie genannt.” Diesen kleinen Reim schreibt Walter Benjamin mit seiner leicht katatonischen Handhaltung auf ein Stück Papier, das man später in seinen Gesammelten Schriften unter den „Drogenprotokollen” wiederfinden wird. 

Benjamins „Verzettelte Schreiberei” (Wizisla) ist nicht das einzige produktionsästhetische Schreibparadigma zwischen Hand, Stift und Papier, das hier zum Forschungsgegenstand erhoben wird. Vielmehr schreibt es sich in ein Feld von Avantgarde-Literatur ein, das ab 1900 schon fast zur Konjunktur wird. 

Das Seminar, das sich vor allem auch als experimentelles Projekt versteht, möchte die Beziehungen des Handgeschriebenen in der Schreibszene in Beziehung setzen zur Zeichnung und zum Skizzieren in der Mal-Szene. Leonardos eigener theoretischer Ansatz zum „unvollendeten Entwurf” soll hier als genealogischer Startpunkt dienen, um die unterschiedlichen Ausprägungen zwischen Schreib- und Bildkulturen vor dem Hintergrund einer sich verändernden Medienlandschaft in der Moderne zu erforschen.

La vida es un escenario. Theorien & Praktiken des Theatralischen von Calderón bis Juan Mayorga (BA Seminar)


Man kann das Theater als Erziehungsanstalt, Unterhaltungsmedium, als Klinik mit Therapiefunktion, als psychoanalytische Coach, als „Denkzeitraum” (Hans-Thies Lehmann) verstehen. Der Begriff des Theaters hat sich stetig erweitert und zu einer allgemeinen Theorie des Raums weiterentwickelt, in der man nicht nur von Künsten und Wissenschaften spricht, sondern auch von Institutionen und Strukturen.

 

Daher möchte sich das Seminar mit den Theorien & Praktiken des Theatralischen ausgehend von der spanischen Literatur- und Theatergeschichte beschäftigen, wobei die Themenvielfalt über die Grenzen Spaniens hinausweisen soll und im europäischen Kontext analysiert wird.

Der fiktive Mensch. Die Erfindung der Gefühle im französischen und spanischen Roman (17.-19. Jahrhundert) (BA Seminar)


Trauer, Wut, Liebe, Hass, Eifersucht, Neid. – "Menschen zu beschreiben, ist deswegen bis jetzt unmöglich gewesen, weil man nicht gewußt hat, was ein Mensch ist. Wenn man erst wissen wird, was ein Mensch ist, so wird man auch Individuen wahrhaft genetisch beschreiben können."

Dieses Zitat aus den fragmentarischen Schriften des deutschen Romantikers Novalis beschreibt eine historische Wende in der Literatur- und Wissenschaftsgeschichte. Spätestens um 1800 zeigt sich mit Kants "anthropologischer Wende" ein gesteigertes Wissen vom Menschen, das sich schließlich im Laufe des 19. Jahrhunderts in wissenschaftlichen Disziplinen wie der Anthropologie, der Psychologie, der Soziologie und der Ethnologie institutionalisiert und spezialisiert. 

Innerhalb der Literaturwissenschaft kann man jedoch die Frage stellen, wann man "fiktive Menschen" als Menschen in fiktionalen Erzählungen wahrnimmt. Ein wichtiges Indiz für das Erkennen von Menschen in Texten ist ihre Emotionalität, die ihrem Menschsein einen wiedererkennbaren Ausdruck verleiht. Wir erkennen "fiktive Menschen" als Menschen, weil sie leiden, weinen, lieben, hassen oder einfach nur gegenüber ihrer Umwelt gleichgültig sind. Die Literaturgeschichte stellt ein Archiv des empfindenden Menschen dar, noch bevor er von den Wissenschaften als ein solcher theoretisch und experimentell erforscht wird. 

Die Literatur ist damit die erste Humanwissenschaft, noch bevor die Humanwissenschaften als Disziplinen entstanden sind (R. Barthes). Das Seminar möchte dieses Archiv der Emotionen methodologisch, theoretisch und im "close reading" erforschen.

Barock ist Pop. Theorien des Barock als ästhetische Kategorie von der Frühen Neuzeit bis zur Postmoderne (MA Seminar)


„Barock ist Pop“, das bedeutet, dass das Barocke als ästhetische Kategorie im 20. Jahrhundert populärer denn je war, ob in der Literatur, den bildenden Künsten, der Mode oder der Architektur. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beginnen Forscher in der Philologie und der Philosophie, sich mit dem Barocken ästhetisch wie historisch auseinanderzusetzen. Man kann sogar sagen, die Moderne und die Postmoderne haben das Barocke als Kunst- und Lebensform erst erfunden, weil sie erkenntniskritisch nach den Bedingungen seiner Entstehung und seiner Fortdauer in zeitgenössischen Kunstwerken gefragt haben. 

Jüngste Forschungsergebnisse sprechen gar von einer historischen Klammer zwischen dem Barocken, dem Modernen und dem Postmodernen, wobei die Zeit der Aufklärung hier bewusst ausgeblendet wird. Man kann also sagen: „Barock is back!“ Zum anderen ist Barock „Pop“, weil beide ästhetische Kategorien eins miteinander teilen: die Lust am Material und an der Oberfläche, an der Kopie und an der Fälschung. Deswegen hatten beide Begriffe auch einen schweren Stand in der Kunstkritik: man wusste nichts mit ihnen anzufangen. Man wusste nur, dass sie irgendwie ‚außerhalb‘ einer bestimmten Norm lagen. Genau dieser Punkt macht die Überschneidung der beiden Kategorien so reizvoll.

Yoknapatawpha County. Fiktionen südlicher Hemisphären bei William Faulkner und den lateinamerikanischen Autoren des Boom (BA Seminar)


1933 erschien in der spanischen Zeitschrift „Revista de Occidente“ die erste Literaturkritik über William Faulkner im spanischsprachigen Raum: „El demonio de William Faulkner“ verfasst von Lino Novás Calvo, der als einer der ersten Faulkner-Kritiker sein Werk „Sanctuary“ ins Spanische „Santuario“ (1934) übersetzte. 1940 folgte dann schließlich die Übersetzung von „Wild Palms“ ins Spanische „Palmeras salvajes“, die von keinem Geringeren als Jorge Luis Borges selbst verfasst wurde. 

Diese Übersetzungen bahnten den Weg der „Deep South“-Prosa in die lesenden Herzen, lauschenden Ohren und schreibenden Hände der lateinamerikanischen Autoren wie Carlos Fuentes, Mario Vargas Llosa, Carlos Onetti und vor allem Gabriel García Márquez, deren Werke man gemeinhin unter dem Begriff des „Boom“ des lateinamerikanischen Romans subsumiert.

Das Seminar möchte dieser Rezeptionsgeschichte und den intertextuellen Spuren zwischen dem (fiktiven) Süden der Vereinigten Staaten in den Romanen William Faulkners und den real-fiktionalen Konstruktionen Südamerikanischer Staaten in Romanen der Boom-Autoren nachgehen: stilistisch, sprachlich, erzähltheoretisch. 

Utopien urbaner Konvivenz: Die Metropolen des 19. und 20. Jahrhunderts im Spiegel der Künste (BA Seminar)


Bettler, Prostituierte, Passanten, Dreck, Lärm, Dunst, graue Mauern, dunkle Gassen – in Charles Baudelaires „Tableaux parisiens“ aus „Les Fleurs du Mal“ (1857/1868) verdichten sich Sprache und Stadt zum ersten Mal in ein urbanes Gemälde einer europäischen Metropole, die im 19. Jahrhundert neue Wahrnehmungs- und Lebensräume erschaffen. Baudelaire kreiert damit einen neuen literarischen Helden der Urbanisierung, den „Flaneur“ (Benjamin).  1923 entwirft der argentinische Autor Jorge Luis Borges in „Fervor de Buenos Aires“ ein ähnliches Tableau der Metropole Buenos Aires, das die werdende Großstadt als mythopoetischen Ursprung des Südens konstruiert. 

Ausgehend von den ersten dichterischen Empfindungen des urbanen Raums „Paris“ untersucht das Seminar vergleichend literatur- und kulturtheoretische Aspekte der Großstadt im 19./20. Jahrhundert anhand exemplarischer Romane in Europa (Döblin, José Cela) sowie Nord- und Südamerika (Passos, Fuentes). Der Fokus liegt dabei sowohl auf romananalytischen Zugängen, um die Textur der Romane hermeneutisch zu erschließen, als auch auf der theoretischen Erarbeitung kulturübergreifender, transarealer Perspektiven der Stadtwahrnehmung und des Raumgefühls.

Jorge Luis Borges: Die mobilen Archive der Literatur zwischen Argentinien und Europa (BA Seminar)


"No hay un ateísmo literario". Mit diesem Satz verkündete der argentinische Schriftsteller und Literaturkritiker, Jorge Luis Borges, das literarische Glaubensbekenntnis des 20. Jahrhunderts. Dabei versucht sein Werk, wie kein anderes in der lateinamerikanischen und europäischen Literaturgeschichte, das Verhältnis des philologischen Wissens von der Literatur und das literarische Wissen vom Leben neu zu formulieren: Seine Erzählungen, Essays, Anthologien, Gedichte, Biogramme und Rezensionen erstellen eine literarische Karte einer vergleichenden Literaturwissenschaft, in der literarische Praxis und die theoretische Reflexion dieser Praxis konvergieren. Damit wird die historische Figur, die unter dem Autornamen "Borges" in den Handbüchern wiederzufinden ist, selbst zu einer literarischen Figur in einer imaginären Karte und damit zu einem transarealen Vektor, der die europäischen und lateinamerikanischen Literaturen zu einem gemeinsamen, intertextuellen Netz verbindet.

Einführung in die Literaturwissenschaft für Romanist:innen (regelmäßige Veranstaltung seit 2015)


Theorien, Methoden und Literaturgeschichte

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Im September 2016 habe ich mein erstes Master- und Doktorandenkolloquium an der Universidade do Paraná in Curitiba auf Spanisch gehalten: "La ciencia del lector como traductor de las letras en la obra de Walter Benjamin y Jorge Luis Borges"

Im August 2018 durfte ich ein zweites Mal ein Master- und Doktorandenkolloquium in Curitiba geben. Diesmal zu Erich Auerbach: "Figura Transatlántica. Relecturas y transcripciones de un concepto de Erich Auerbach"